Interview mit frauschnitte – Kreativität, Taschen & der Mut, den eigenen Weg zu gehen
- Rosalie

- vor 3 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Herzlich willkommen zurück bei Rosalies: Gespräche aus dem Nähatelier – Vol. 21.
Manchmal begegnet man im Nähbereich Menschen, deren Arbeit einen über längere Zeit begleitet – leise, beständig und inspirierend. Für mich gehört Sabine von frauschnitte genau dazu.
Sabine Komarek ist ausgebildete Modedesignerin und lebt in Mannheim, wo sie seit vielen Jahren selbstständig tätig ist. Unter ihrem Label frauschnitte entwickelt sie digitale Schnittmuster und Nähanleitungen für Taschen, Accessoires und Bekleidung. Viele kennen ihre durchdachten Designs, ihre klar aufgebauten Anleitungen und die besondere Balance zwischen Funktionalität und kreativer Freiheit.
Was ich an ihren Schnitten besonders schätze: Sie sind unglaublich durchdacht und gleichzeitig so gut umsetzbar. Ich liebe es, meine eigene Kreativität darin auszuleben – durch die vielen Möglichkeiten, die ihre Schnitte bieten. So wird jede Tasche zu einem ganz eigenen Unikat.
Ein Schnitt begleitet mich dabei ganz besonders: die „Saddel Bag Svea“.
Sie ist für mich zu einem festen Bestandteil meiner Arbeit geworden und findet sich auch in meiner Neu verwurzelt Serie in verschiedenen Ausführungen wieder.
Heute möchte ich euch Sabine ein wenig näher vorstellen – mit einem Interview, das Einblicke in ihre Arbeit, ihre Gedanken und ihre Sicht auf das kreative Schaffen gibt.
Interview
1. Magst du dich einmal selbst vorstellen?
Viele kennen deine Schnittmuster und deine Bücher, aber vielleicht noch nicht deine persönliche Geschichte. Wer bist du, und wie hat dein Weg zur Modedesignerin und zu frauschnitte begonnen?
Antwort: Ich bin Sabine und wohne in Mannheim. Hier gebe ich nun seit fast 20 Jahren Nähkurse an der Abendakademie und entwickle unter meinem Label frauschnitte Nähanleitungen für Taschen und, in 2026 geplant, auch wieder für mehr Bekleidung 🙂. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und einigen Jahren im Job, fehlte mir doch die
100-prozentige Erfüllung darin und so habe ich nach einiger Überlegung noch einmal
einen Neuanfang und die zweite Ausbildung gewagt.
2. Deine Taschenschnitte sind für mich etwas ganz Besonderes
Ich arbeite unglaublich gern mit deinen Schnitten – für mich sind sie meine absoluten Nummer-eins-Taschenschnitte, die ich immer wieder verwende und liebe. Was fasziniert dich persönlich an Taschen als Nähprojekt so sehr, dass sie bis heute einen so großen Platz in deiner Arbeit haben?
Antwort: Erst einmal vielen Dank für dein Lob, das positive Feedback freut mich wirklich sehr. Eigentlich mag ich Taschen und Bekleidung gleichermaßen, wobei die Möglichkeit, sich sozusagen maximal kreativ auszutoben, egal in welche Richtung, bei Taschenmodellen manchmal etwas leichter fällt. Bekleidungsschnitte geben da öfter einmal eine bestimmte Stilrichtung vor, wobei man aber auch hier meist noch genügend Gestaltungsspielraum hat. Ich nähe definitiv beides gerne und plane daher den Fokus in Zukunft auf beide Bereiche zu legen, mal sehen, ob mir das gelingt.
3. Wenn du an frauschnitte denkst
Es gibt viele Schnittmusterlabels – aber frauschnitte fühlt sich für mich sehr eigenständig an. Was macht dein Label für dich selbst besonders, und was möchtest du mit deinen Schnitten vermitteln?
Antwort: Ich möchte in meinen Schnittmustern bzw. Nähanleitungen gerne viel Expertenwissen vermitteln, dies aber auf eine möglichst anschauliche Art und Weise, sodass auch Anfänger oder Ungeübte gut damit zurechtkommen und am Ende das Erfolgserlebnis steht. Außerdem versuche ich, meinen Modellen einen unverwechselbaren Charakter mitzugeben, das können beispielsweise die Form, aber auch einzelne Designelemente sein. Natürlich funktioniert das nicht immer, denn man kann ja das Rad nicht ständig neu erfinden, aber ich denke, es gibt einige Modelle aus der frauschnitte Familie, die unverwechselbar und daher auch sehr beliebt sind.
4. Du sprichst davon, dass deine Schnitte Raum für Kreativität lassen sollen
Ich habe das Gefühl, dass man mit deinen Schnitten sehr viel ausprobieren und verändern darf. Was bedeutet dieser Gestaltungsspielraum für dich – und warum ist dir diese Freiheit beim Nähen so wichtig?
Antwort: Ja in der Tat habe ich keine Probleme damit, wenn Kunden ihre ganz eigene Kreation aus den Schnittmustern machen, also sofern man das Schnittmuster noch erkennt 🙂🙂. Nein, im Ernst, mir ist wichtig, dass jeder Spaß am Nähen hat und das gelingt doch nur, wenn man seine eigene Kreativität dabei ausleben kann.
5. Kreatives Arbeiten über viele Jahre hinweg
Du bist schon lange selbstständig und verbindest Handwerk, Design und Wissensvermittlung. Was hilft dir dabei, dir über all die Jahre die Freude am Entwerfen und kreativen Arbeiten zu bewahren? Und wie nimmst du die aktuelle Stimmung in der DIY- und Kreativszene wahr?
Antwort: Natürlich gibt es immer mal wieder Phasen mit kreativen Blockaden, die muss man sich einfach zugestehen und im schlimmsten Fall eine Pause einlegen. Ich vertraue dann darauf, dass der Wunsch nach kreativem Schaffen sich schnell wieder einstellt, wenn man etwas Abstand hat. Bisher hat sich das immer bestätigt. Die aktuelle Situation in der Branche macht mir natürlich einerseits Angst, da man schwer einschätzen kann, wie sich alles weiterentwickelt. Anderseits glaube ich daran, dass die Gesellschaft in der heutigen Zeit etwas wie „Kreativ sein“ braucht und dies auch weiterhin so sein wird.
6. Gibt es etwas, das du kreativen Menschen gern mitgeben möchtest?
Gibt es gerade einen Gedanken, der dich besonders begleitet – vielleicht auch mit Blick auf die vielen kreativen Menschen, die mit deinen Schnitten arbeiten? Gibt es etwas, das du ihnen gern mitgeben oder sagen möchtest?
Antwort: Lasst euch nicht in eine Schublade stecken oder hastet nicht jedem Trend hinterher. Macht einfach, was euch Spaß macht, und erfreut euch an euren ganz persönlichen Werken. Ich glaube, nichts ist beim Kreativ sein hinderlicher als sich Zwängen von außen zu unterwerfen.
Mein Fazit
Ich schätze Sabines Arbeit und ihre Schnitte sehr – nicht nur, weil sie technisch durchdacht sind, sondern weil sie genau das ermöglichen, was Nähen für mich bedeutet: eigene Kreativität wirklich auszuleben.
Besonders berührt hat mich auch ihr letzter Gedanke:Sich nicht in Schubladen stecken zu lassen und nicht jedem Trend hinterherzulaufen – sondern einfach das zu machen, was Freude bringt.
Genau das ist auch mein Wunsch.
Ich glaube, dass Kreativität uns ausgleicht. Dass sie für viele ein Ort der Ruhe ist, ein Rückzugsort im Alltag. Und dass genau das Nähen für viele Menschen bedeutet – was auch eine meiner letzten Story-Umfragen ganz deutlich gezeigt hat.
Deshalb glaube ich auch an den Fortbestand der Nähszene.Vielleicht nicht immer laut – aber beständig.
Und ich freue mich jetzt schon auf mein nächstes Projekt:den Rucksack Nevi von frauschnitte.
Wenn ihr Sabines Schnittmuster noch nicht kennt, schaut unbedingt bei ihr vorbei:
Eure Rosalie



Kommentare